Smoke Blow: Punk-Koloss von der Küste
(Musik News - 20.04.2008)

Zweieinhalb Jahre hat sich die Kieler Band Smoke Blow Zeit für ihr neues Album gelassen.

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Für die Fans hat sich das Warten gelohnt, denn mit «Colossus» legen Smoke Blow ein erstaunlich hitverdächtiges Album vor, auf dem sich zum ersten Mal auch deutschsprachige Texte finden.

Innerhalb der deutschen Punkrock- und Rock-Szene sind Smoke Blow eine feste Größe. Seit 1997 spielen die sechs Kieler Musiker bereits zusammen und haben seitdem fünf Alben veröffentlicht. Über den Rang der Lokalmatadoren sind Smoke Blow längst hinausgewachsen. Zu den passionierten Fans der Band zählt zum Beispiel Bela B. von der Band Die Ärzte, der es sich nicht nehmen ließ, zum letzten Smoke-Blow-Album «Dark Angel» Background-Vocals beizusteuern. Auch Tom Schwoll von Jingo de Lunch, die einst selbst Vorbilder des Smoke-Blow-Chefs Jack Letten waren, ist auf dem neuen Album «Colossus» wieder mit von der Partie.

Die Stärke von Smoke Blow liegt in der Kombination von Technik und Style, garniert mit einem Humor, der allerdings wohl nicht jedermanns Sache ist. Smoke Blow sind das, was man gemeinhin derbe nennt, aber niemals stumpf. Pate gestanden haben für ihren Sound Punkrock-Veteranen wie die Misfits, Hardcore-Bands wie St. Vitus, Rock-Combos wie Turbonegro, aber auch der Einfluss von Deutschpunk ist auf «Colossus» zu hören. Aus all diesen Zutaten fabrizieren Smoke Blow ihren eigenen Stil, der auf dem neuen Album mehr als zuvor auf überraschend eingängige Hooklines in Kombination mit Härte setzt.

Ungewöhnlich an Smoke Blow ist mit dem Blick auf ihr Genre, wie diese Band mit allerlei Zitaten und Stereotypen aus der Popkultur spielt. Das Cover der neuen Platte könnte zum Beispiel auch eine HipHop- oder Elektro-Veröffentlichung zieren: Zu sehen ist ein Roboter, zusammengestellt aus alten Ghettoblastern inmitten einer kargen, außerirdischen Felslandschaft. Ein Blick auf die Titel von «Colossus» offenbart ebenfalls alles andere als Einfallslosigkeit oder Dogmatismus: Smoke Blow bedienen sich aus dem Fundus der assoziationsstärksten Schlagworte der Popdichtkunst und das auch noch in zwei Sprachen. Am Ende stehen Songtitel wie «Criminal» und «Millionaire» (erinnert an Rap) neben «Nuclear War» (Metal), «Swamp Creature» (Rock) sowie «Zombie auf'm Klapprad» (Deutschpunk) und «Am Strand» (Indie).

Dass Smoke Blow musikalisch nur selten das abliefern, was ihre Titelwahl erwarten lässt, ist Ehrensache. Auch wenn das Wort ein wenig zu weich für die überwiegend eindrucksvoll tätowierten und in der Regel wild ausstaffierten Musiker klingen mag, Smoke Blow treiben gerne Schabernack, aber das auf einem musikalisch hohen Niveau, an das die durchschnittliche Punkband aus der Provinz nicht heranreicht. Während das Songwriting neue Hitqualitäten angenommen hat, es am technischen Können dieser Band ohnehin nichts auszusetzen gibt und Produzent Guido Lucas (Blackmail, Scumbucket) den Kielern einen amtlichen Sound hingedreht hat, weiß man bei Jack Lettens Texten in der Regel nicht genau, ob man darüber lauthals lachen oder ein bisschen verzweifelt weinen soll. Wer allerdings unbedingt nachdenkliche oder harmlose Texte dargeboten bekommen möchte, der findet ja in der deutschen Musiklandschaft genug Kandidaten. Wer es jedoch derbe, hart und zuweilen ein wenig abwegig mag, liegt mit Smoke Blows neuem Album «Colossus» goldrichtig.

18.04.2008 Jena Rosenkeller
19.04.2008 Dresden Scheune
24.04.2008 Karlsruhe Substage
25.04.2008 München 59 to 1
26.04.2008 Schweinfurt Alter Stattbahnhof
02.05.2008 Hamburg Fabrik
03.05.2008 Magdeburg Blow up
15.05.2008 Berlin Lido
16.05.2008 Dortmund FZW
17.05.2008 Bremen Lagerhaus


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