Mariah Carey: Vom Märchen zum Alptraum und zurück
(Musik News - 11.04.2008)

Manch einer hatte nicht mehr viel auf Mariah Carey gewettet.

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Nach einem aufsehenerregenden Nervenzusammenbruch 2001 schien die beispiellose Karriere der US-Pop-Diva jäh beendet.

Doch inzwischen ist der gefallene Star wieder im Höhenflug. Ihrem Comeback mit dem preisgekrönten Album «The Emancipation Of Mimi» vor drei Jahren folgt jetzt ein neuer Paukenschlag: Unter dem schrägen Titel «E=MC²» ist ihr neuestes Werk erschienen - eine Neuinterpretation von Albert Einsteins berühmter Formel für die Äquivalenz von Masse und Energie.

Schon mit der ausgekoppelten Single «Touch My Body» hat Mariah Carey für Schlagzeilen gesorgt. In Deutschland war die 38-Jährige mit dem Titel diese Woche die höchste Neueinsteigerin in den Single-Charts - auf Anhieb schaffte sie Platz 22. In den USA katapultierte der Song sie in den Olymp: Sie landete den 18. Nummer-Eins-Hit ihrer 18-jährigen Karriere und übertrumpfte damit sogar noch Elvis Presley mit seinen 17 Chart-Siegen. Nur die Beatles haben mit 20 Hit-Singles auf der amerikanischen Rangliste die Nase noch vorn.

Freilich tut Carey auch einiges, um sich bei den Fans ihrer eingängigen Musik («Always Be My Baby», «Fantasy», «Dreamlover») in Erinnerung zu rufen. Kürzlich erschien der «Megastar» in der RTL-Show «Deutschland sucht den Superstar», um den neuen Song vorzustellen. Zwar krittelte Ober-Juror Dieter Bohlen an dem Halb-Playback herum: «Leider konnte ich eine Teilnehmerin nicht beurteilen, da sie nicht so richtig live gesungen hat.» Doch für Carey war es ein gelungener Auftritt: Bester Dinge präsentierte sie sich dem deutschen Millionenpublikum - erschlankt und körperbewusst, hoch professionell und ohne jeden Patzer.

Ihre Anhänger hoffen auf eine Fortsetzung der kometenhaften Karriere, die einst wie im Märchen begonnen hatte. 1988 entdeckt der damalige Columbia-Manager und spätere Sony-Music-Präsident Jimmy Mottola das Talent der jungen New Yorkerin aus einer gemischtfarbigen Familie und nimmt sie unter seine Fittiche.

Schon das Debütalbum «Mariah Carey» wird eine Sensation. Es verkauft sich sechs Millionen Mal und heimst zwei Grammys ein. Es folgen weitere Hits wie «I'll Be There» und «Hero». 1993 wird Mottola auch Careys persönlicher Held: In einer fast eine halbe Million Dollar teuren Traumhochzeit gibt sie dem rund 20 Jahre älteren Manager das Jawort. In den folgenden Jahren avanciert sie mit ihrer ungewöhnlich breiten und abwechslungsreichen Stimme zur erfolgreichsten Künstlerin der USA - keine Frau sonst verkauft so viele Platten wie sie.

Doch der spätere Fall ist tief. Nach der Scheidung von Mottola 1997, einer gescheiterten Beziehung mit dem mexikanischen Popstar Luis Miguel und der Trennung von ihrem Label Columbia Records kommt Carey an einen toten Punkt. Mit verwirrten Auftritten stößt sie das Publikum vor den Kopf: «Ich weiß nicht, was mit dem Leben los ist», schreibt sie auf ihrer Internetseite. Im Juli 2001 wird sie mit Schnittwunden an den Handgelenken ins Krankenhaus gebracht, es folgt ein Aufenthalt in der Psychiatrie. Später versichert sie, alle Berichte über einen Selbstmordversuch seien «absolut falsch». Sie habe «nur endlich mal fünf Stunden Schlaf gebraucht».

Der Neustart wird schwer. Nachdem ihr Album «Glitter» und der gleichnamige Film floppen, löst ihr neues Label Virgin Records im Herbst 2001 den Millionen-Vertrag mit der Sängerin auf. Ihre neue Plattenfirma Island Records bringt Ende 2002 das Album «Charmbracelet» auf den Markt, das jedoch nur freundlich-verhaltene Kritiken bekommt. Erst mit «Emancipation» 2005 ist der Durchbruch wieder geschafft - das Album wird mit drei Grammys ausgezeichnet. Ihre neue CD, so ließ Carey vorsorglich wissen, sei praktisch «Emancipation» Teil zwei.


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