Im Test: Jomox X-Base 888
(Technische News
-
09.04.2008)
Statt Pixel schubsen Knöpfchen drücken und am Rad drehen, wilde Modulationen fahren und Bassgewitter niedergehen lassen.
|
Wie der Name 888 schon zart andeutet, nimmt sich die neue X-Base vor, eher den Sound der TR 808 zu reproduzieren, als den der 909. Sie sitzt im gleichen Gehäuse wie die X-Base 999 und besitzt beinahe identische Features, kann aber auch mit ein paar Besonderheiten trumpfen.
von Nerk aka Benjamin Weiss aus De:Bug 121
Sequenzer Der Sequenzer beruht auf dem bewährten XOX-Prinzip: Steps werden in einem 16-Step-Lauflichtsequenzer zu Pattern zusammengesetzt. Die Patterns können maximal 256 Steps haben, allerdings wird dabei alle 16 Steps ein Patternspeicherplatz verbraucht. Insgesamt 64 Pattern können gespeichert werden. Es gibt drei Hauptmodi: Pattern Real Time Write, Pattern Write und Perform. Im Pattern-Real-Time-Write-Modus können Parameterverläufe aufgezeichnet werden, im Pattern-Write-Modus kann man verschiedene Kits auswählen, aber keine Verläufe nutzen. Der Perform-Modus dient dem hemmungslosen Verschrauben der Sounds, wobei das Kit mit allen seinen Einstellungen gewechselt werden kann. Hier hat man immer alle Parameter eines Instruments separat zur Hand, verteilt auf die sechzehn Dreh-Encoder, die mit Push-Funktion ausgerüstet gleichzeitig als Mute-Taster für die Instrumente dienen. Der Song-Modus (den es bei meinem Test der X-Base 999 noch gar nicht gab) ist auch ziemlich ausgewachsen: Wahlweise per Step-Eingabe oder live gespielt, lassen sich bis zu zwanzig Songs aufnehmen, wobei auch Kitwechsel und Tempoänderungen aufgezeichnet werden können. Dazu kann man einen Song Loop definieren, der dann beliebig lang laufen kann.
Instrumente Analog erzeugt werden Bassdrum, Toms und Snare, Sample-basiert sind Clap, Rim, Crash und Ride. Die analogen Instrumente sind mit den meisten Parametern ausgestattet, angefangen bei der Bassdrum, die sich mit zwölf klangformenden Parametern in alle erdenklichen Richtungen kneten lässt. Die Sample-Instrumente lassen sich mit einer Software mit eigenen Samples im WAV- oder AIFF-Format austauschen, und werden in das Jomox-interne Format mit 8 Bit gewandelt, wodurch sie nicht immer wie erwartet, aber meistens gut klingen. Insgesamt 31 Samples pro Slot nutzt die X-Base 888, davon sind die ersten vier allerdings unveränderlich, bleiben also noch 27 zum selbst belegen übrig. Danach kann man sie durch die analoge Hüllkurve schicken, pitchen, rückwärts abspielen, per LFO modulieren und durch den Tiefpass- und/oder Hochpass- Filter mit Resonanz schicken. Mit den zwei digitalen LFOs, die wahlweise frei laufen oder zum Tempo synchronisiert sind, lassen sich die Tune-Parameter aller Instrumente und die Cutoffs der Filter der HiHat-Sektion und des globalen Filters ansteuern.
Spezialitäten Soweit, so identisch zur X-Base 999. Aber die 888 ist nicht nur die günstigere, weil um den X-Filter für externe Signale abgespeckte Variante, sondern hat auch ein paar Besonderheiten, mit denen die große Schwester nicht dienen kann. So besitzt die Bassdrum zusätzlich eine Pitch-Hüllkurve, mit der sich wahlweise lange, 808-artige Bassdrums bei großen Werten, aber auch kurze, zackige mit deutlichem Attack bei kleinen Werten erzeugen lassen. Auch die Toms sind um diese Pitch-Hüllkurve erweitert worden. Um den obertonreichen, metallisch seidigen Sound der 808 Hihats, Cymbals und Snares zu erreichen, hat die Noisesektion in der X-Base 888 eine Erweiterung bekommen: zur Auswahl stehen zwei weitere Noises, Metal Noise A und Metal Noise B. Sie verändern aber nicht nur den Sound der HiHats, sondern auch die Bass, Snare, Low Tom und High Tom, die alle ihren Noise aus der gleichen Quelle bekommen.
Bedienung & Sound Nach wie vor bleibt die X-Base auch in ihrer neusten Inkarnation 888 einer der intuitiv spielbarsten, ausdrucksstärksten und druckvollsten Drumcomputer überhaupt. Statt Pixel schubsen Knöpfchen drücken und am Rad drehen, wilde Modulationen fahren und Bassgewitter niedergehen lassen. Und wenn beim Liveset der Rest vom Equipment den Geist aufgibt hat man immer die Gewissheit, zur Not auch nur mit der X-Base das Set beenden zu können. Mit der neuen X-Base 888 hat Jomox eine veritable Konkurrenz zur ebenfalls samplefähigen Machinedrum UW, die auch noch günstiger ist, wenngleich sie einen völlig anderen Klangcharakter hat. Killertool zum live spielen!
Soundbeispiel 1
Soundbeispiel 2
Soundbeispiel 3
Anschlüsse: Audio: 10 Einzelausgänge, Stereo Mix, Kopfhörer Midi: Midi In, Midi Out, Midi Thru
Preis: 1099,- Euro
Für weitere Informationen, hier klicken...
zurück?
|