Anacaona: Vergessene Frauen-Combo aus Kuba
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Musik News
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16.04.2008
)
Kubanische Musiker in den «besten Jahren» hatten bereits vor längerer Zeit für eine Renaissance der Rhythmen von der Karibikinsel gesorgt.
Von der Existenz der 1932 gegründeten Frauen-Combo Anacaona ist bislang wenig bekannt gewesen.
Das engagierte Projekt «Buena Vista Sister's Club» von Ingrid Kummels stellt diese einzigartige Band vor. Als Concepción «Cuchito» Castro mit drei Schwestern und Freundinnen das Septett ins Leben rief, war es die erste weibliche Formation, die den Son cubano spielte. Namenspatin wurde eine legendäre, 1503 gestorbene karibische Königin von Kubas Nachbarinsel Hispanola: Anacaona, die für ihre Balladen und Gedichte verehrt wurde. Bereits 1934 war aus der Combo ein regelrechtes Jazzorchester mit einem großen und vielseitigen Repertoire geworden.
Anacaona verzauberten mit ihrer Show das Publikum und zählten so manches musikalische Schwergewicht zu den Verehrern: George Gershwin, Cole Porter, Nat King Cole. Höhepunkte für Anacaona wurden die umjubelten Auslandstourneen und eine ganze Saison am Broadway im «Havanna-Madrid», wo die Großen des Jazz das Frauen-Orchester hofierten.
An den alten Aufnahmen auf der CD «Anacaona - The Buena Vista Sister's Club» ist zu hören, wie die Band zwischen den Genres wechselte, je nachdem, wo sie gerade spielte. So wurden für die USA nur die Stücke mit Son vermarktet. Andere Aufzeichnungen wurden in Havanna, Caracas (Venezuela), Medellín (Kolumbien) und Rio de Janeiro (Brasilien) gemacht.
Die Journalistin und Filmemacherin Ingrid Kummels hat über Jahre Zeitzeugen befragt und in akribischer Kleinarbeit ein beeindruckendes Porträt dieser wohl einmaligen Frauenband geschaffen, das als Dokumentation auf DVD vorliegt. Der Film ist ein musikhistorisches Dokument über Anacaona in den Jahren vor der kubanischen Revolution.
Überaus charmante Ladies in hohem Alter, die Schwestern Ada, Alicia und Ondina Castro, erinnern sich an ihre große Zeit mit Anacaona und greifen dabei auch wieder zum Instrument. Vor dem Hintergrund des zerfallenden Havanna kommen die Zeitzeugen zu Wort und werden historische Aufnahmen eingeblendet.
Auf CD wie DVD sind wunderbare Momente aus den Jahren 1937 bis 1958 versammelt. Nach dem Sturz von Diktator Batista und der Machtübernahme durch Fidel Castro - mit dem die Schwestern nicht verwandt sind - wurde die Frauen-Combo vom Staat weiter beschäftigt. Erst 1989 gingen die letzten Frauen von Anacaona (mittlerweile «Nationales Kulturgut» Kubas) in den Ruhestand.
Anacaona waren vor allem eine Live-Attraktion: Sie gastierten in den feinsten Clubs Kubas und waren auch im Radio zu hören, doch Tonaufzeichnungen gibt es nur wenige. Mit «Anacaona - The Buena Vista Sister's Club» liegt ein mit viel Gefühl gestaltetes Hör- und Seherlebnis vor. Der Massimo Lider geht - die Musik des mondänen Kuba kehrt zurück.
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